7. August 2019

Die zwölfte Blindenfußball-Bundesliga Saison ist bereits in vollem Gange. Nach dem Auftakt im Mai in der Kupferstadt Stolberg wurden schon Spieltage in Marburg und Dortmund ausgerichtet. Am kommenden Wochenende sind die sechs Liga-Teams beim MTV Stuttgart zu Gast. Und auch in der baden-württembergischen Landeshauptstadt ist wieder eine Spielgemeinschaft am Start. Der FC Viktoria Berlin und der Polizei Sport-Verein (PSV) Köln gehen als Spielgemeinschaft gemeinsam auf Punktejagd. „Das hatte ganz praktische Gründe“, berichtet PSV-Trainer Dietrich Wolf, „denn sowohl wir Kölner als auch die Berliner hatten nicht genügend Spieler, um eine Mannschaft zu melden.“ Und warum ausgerechnet Berlin? Wolf: „Es gibt alte Verbindungen zwischen den Trainern und den Spielern.“ So kam es zur Gründung einer Spielgemeinschaft, von der beide Seiten profitieren wollen.

FC Viktoria Berlin und Polizei Sport-Verein (PSV) Köln gehen als Spielgemeinschaft gemeinsam auf Punktejagd.

Allerdings ist die Kooperation nicht frei von Problemen. „Wir hatten eigentlich geplant, gemeinsame Trainingslager abzuhalten“, so Wolf, „doch das haben wir nur ein einziges Mal geschafft, das war nach dem Auftakt in Stolberg, da haben wir den Sonntag noch drangehängt.“ Natürlich wissen die Spieler, worauf es ankommt, aber das Spielverständnis kann nicht so gut sein, als wenn man mehrmals in der Woche gemeinsam zum Training zusammenkommt. Aufgrund der Distanz von 600 Kilometern ist das aber ein Ding der Unmöglichkeit; es muss also improvisiert werden. Die Kommandos sind natürlich allgemein bekannt, aber es bedarf doch noch eines „Findungsprozesses“, wie es Wolf umschreibt.

Saison des Lernens
Deshalb fielen die Ergebnisse an den ersten Spieltagen der Blindenfußball-Bundesliga auch nicht so berauschend aus, es gab Niederlagen; die Spielgemeinschaft ist derzeit mit 0:52 Toren Tabellenletzter. „Aber wir sehen das Ganze als eine Saison des Lernens“, betont der PSV-Coach, der außerdem jetzt als alleiniger Trainer tätig ist, denn sein Berliner Kollege Oliver Heise steht aktuell nicht zur Verfügung. „Ich glaube aber, dass das Potenzial der Spieler schon einiges hergibt“, äußert Wolf, „leider stehen einige Berliner, aber auch einige Kölner Spieler, die genug Routine mitbringen, zur Zeit aus unterschiedlichen Gründen nicht zur Verfügung.“
Dies sorgt für einen Verlust an Erfahrung und dementsprechend auch zu einer Schwächung des Teams. „Wir müssen einiges im Finetuning tun, aber wir haben schon bewiesen, dass wir mithalten können. Deshalb setze ich auf die nächsten Jahre und eine Entwicklung der Mannschaft“, so Wolf weiter.

Der 14-jährige Nico Rother, gab bereits im Alter von zwölf Jahren sein Debüt in der Blindenfußball-Bundesliga.

Nachwuchsarbeit im Vordergrund
Wichtig ist beiden Teams, dass immer wieder Spieler aus dem eigenen Beritt herangeführt werden: „Wir können uns nicht mit ausländischen oder Akteuren von anderen Vereinen verstärken.“ Nachwuchsschulung heißt das Zauberwort, allerdings ist der Weg nach oben dementsprechend steinig. Trotzdem blickt Wolf der Zukunft durchaus optimistisch entgegen. Mit dem erst 14-jährigen Nico Rother, der bereits im Alter von zwölf Jahren sein Debüt in der Blindenfußball-Bundesliga gab, hat das Team bereits ein vielversprechendes Talent in seinen Reihen. Die Spiele in der Saison 2019 werden den Lernprozess im Team weiter forcieren, und dann hofft der Coach, dass er irgendwann auch den kompletten Kader zur Verfügung hat. „Weiter, immer weiter“ ist das Motto der SG FC Viktoria Berlin/PSV Köln. Dann werden sich sicherlich auch bald die positiven Resultate in der Liga einstellen.