11. April 2013

Am Samstag starten Deutschlands beste blinde Fußballer in die neue Saison. Die Sportfreunde Blau-Gelb-Blista Marburg, 2012 Meister der Deutschen Blindenfußball-Bundesliga, treffen am Samstag in Braunschweig (Bezirkssportanlage Franzsches Feld, Anstoß 9 Uhr) auf die Spielgemeinschaft SG Braunschweig/LFC Berlin. Der Journalist Jürgen Heide hat den Meister für besucht.
Ali Pektas und Stiftungsbotschafter Wolfgang Dremmler
Ali Pektas und Stiftungsbotschafter Wolfgang Dremmler

Mit dem 7:3-Sieg über den Chemnitzer FC war den Sportfreunden Blau-Gelb Blista Marburg der Start in die vergangene Saison der Blindenfußball-Bundesliga gelungen. Dass die Mittelhessen mit dem Auftakt dennoch nicht zufrieden waren, darin liegt für Marburgs Kapitän Alican Pektas der „Knackpunkt“, die entscheidende Weichenstellung für den Titelgewinn. Die Unzufriedenheit über die drei Gegentore wurde zum kollektiven Ansporn. Nach den folgenden fünf zu Null gewonnenen Partien stand Marburg bereits am sechsten Spieltag und vor dem Finale in München als Meister fest. Nach dem hochklassigen 2:2 gegen den Titelträger der vergangenen drei Spielzeiten, den vom Bundestrainer Ulrich Pfisterer trainierten MTV Stuttgart, beim Saisonfinale vor großer Kulisse im Olympiapark, konnten sich die Marburger zum zweiten Mal über den Titel freuen. „Die Meisterschaft ist höher zu bewerten als 2008, weil wir sie ohne Niederlage geholt haben und das Spiel viel schneller geworden ist“, sagt Alican Pektas. Der Deutsch-Türke ist neben Robert Warzecha der zweite Spieler, der schon beim ersten Triumph im Gründungsjahr der Bundesliga dabei war.

Deutscher Meister - die Sportfreunde BG Marburg
Deutscher Meister – die Sportfreunde BG Marburg

Doch nicht nur den Titel gewann das Team von Trainer Peter Gößmann. Auch bei den Einzel-Auszeichnungen räumten die Nordhessen richtig ab. Warzecha „Unser Ruhepol“, so Gößmann – wurde zum ‚Besten Spieler der Saison’ gewählt, sein Nationalmannschaftskollege Taime Kuttig als bester Mittelfeldmann ausgezeichnet und Torschützenkönig Pektas war nicht nur wegen seiner elf Treffer bester Angreifer der DBFL, die von der DFB-Stiftung Sepp Herberger co-finanziert und organisiert wird. „Der Trainer hat uns schon 2010 gesagt, dass wir 2012 den Titel holen“, sagt Pektas, dessen Team 2011 Vizemeister war. „Er hat uns vermittelt, nur von Spiel zu Spiel zu denken“, nennt der Student der Betriebswirtschaftslehre an der Technischen Hochschule Mittelhessen in Gießen einen weiteren Erfolgsfaktor. „Die anderen Mannschaften sind meist auf Einzelspieler fixiert – wir nicht“, sagt der Trainer selbst.

Kooperation zwischen Blista und Fußballklub

Ihre Spieler rekrutieren die Marburger aus der dortigen Blindenstudienanstalt (Blista), einer auf die speziellen Bedürfnisse von blinden und sehbehinderten Menschen  ausgerichteten Bildungseinrichtung. „Der Sport hat bei uns eine hohe Bedeutung. Wir sind so eine Art Talentschmiede“, sagt Blista-Sprecher Rudi Ullrich. Wurde der Titel 2008 noch unter dem Namen Blista Marburg gewonnen, haben sich die Blindenfußballer im Sommer 2011 den Sportfreunden Blau-Gelb Marburg angeschlossen. „Wir wollten auch einem Fußballverein angehören und uns in einen in Anführungszeichen normalen Verein integrieren“, sagt der 57-jährige Gößmann, der Lehrer an dem zur Blista gehörenden Gymnasium ist. Durch die Verbindung zum Fußballklub seien Möglichkeiten entstanden, den Blindenfußball bekannter zu machen. Den Erfolg des jüngsten Teams der Liga mit einem Altersschnitt von 20 Jahren führt Gößmann auch darauf zurück, dass die Marburger mit dem Kunstrasenplatz im Ortsteil Cappel „endlich“ einen Trainingsplatz haben, der den Abmessungen im Blindenfußball entspricht.

Städtetour geht 2013 weiter

„Wer in die Mitte der Gesellschaft will, muss auch ordentlichen Fußball zeigen“, fordert Pektas die stetige Weiterentwicklung seines Sports. Die Liga, die an sechs Spieltagen ausgetragen wird, setzt seit einigen Jahren auf Lokalitäten mitten in den Innenstädten. 2012 verfolgten mehr als 10.000 Zuschauer die Spieltage der DBFL. Der 2. Spieltag wird am 11. Mai auf dem Hamburger Rathausmarkt ausgetragen; spielt das Wetter mit, sicher vor großer Kulisse. Der 19-jährige Nationalspieler Pektas jedenfalls hat festgestellt, „dass durch den Titel unser Ansehen in Marburg gestiegen ist.“ Noch bekannter dürften er und seine Kollegen durch einen Fifa-Werbespot werden, der vermittelt, dass Fußball alle Menschen verbindet und  im Rahmen der Qualifikationsspiele der deutschen Nationalmannschaft für die WM in Brasilien ausgestrahlt werden wird. „Das war  eine coole Sache“, sagt Pektas, was nicht nur für die Dreharbeiten, sondern auch den Titelgewinn seines  Teams gilt.