15. März 2010

41 Tore in neun Spielen – furios startete die Blindenfußball-Bundesliga (DBFL) in ihre dritte Saison.   Titelverteidiger MTV Stuttgart konnte dabei seine beiden Auftaktspiele gewinnen: 4:1 hieß es am Ende gegen Berlin und auch die SSG blista Marburg, als Meister der Saison 2008 einer der Hauptkonkurrenten des schwäbischen Teams, konnte besiegt werden. 4:0 hieß es am Ende für das Team aus Baden-Württemberg.
Spannende Spiele und viele Tore in Barsinghausen
Spannende Spiele und viele Tore in Barsinghausen

Mit mehr als 100 aktiven Sportlerinnen und Sportlern nahmen die neun DBFL-Teams am Auftaktspieltag in der Sportschule Barsinghausen teil. Neu dabei ist das Team der SG Saar 05 Saarbrücken / Eintracht Braunschweig. Diese ungewöhnliche Spielgemeinschaft trainiert mit drei Trainingsgruppen an verschiedenen Standorten. „ Wir haben unser Team in diesem Jahr neu gegründet. Leider konnten wir hier in Niedersachsen noch nicht genügend Spielerinnen und Spieler finden, so dass wir uns zu der Kooperation mit dem Team aus Saarbrücken entschlossen haben“, berichtet Otfried Morin, der Trainer der Mannschaft. Jüngster Spieler der SG ist der erst vierzehnjährige Max Grote, der gemeinsam mit seinen Eltern zum ersten Spieltag in das Sporthotel des Niedersächsischen Fußballverbandes reiste. Seine Mutter Andrea ist zudem als „Tor-Guide“ der Mannschaft aktiv. Gut eingelebt hat sich das Team bereits. Nach einer Niederlage gegen den VfB Gelsenkirchen (0:4) konnte die Begegnung gegen den Chemnitzer FC mit 3:0 gewonnen werden. „Wir haben heute zum ersten Mal in dieser Konstellation zusammengespielt, deshalb sind wir mit unseren Spielergebnissen mehr als zufrieden“, fasste Morin seine Eindrücke zusammen.

Tollen Anklang fand der Saisonauftakt auch in den Medien: NDR, WDR, ZDF, Sat1 und RTL berichteten über die faszinierende Sportart Blindenfussball.

Saisonstart gemeinsam gefeiert

Freuen sich auf das neue Team aus Niedersachsen: Karl Rothmund und Tobias Wrzesinski
Freuen sich auf das neue Team aus Niedersachsen: Karl Rothmund und Tobias Wrzesinski

Den Start in die neue Saison feierten die Aktiven gemeinsam im Rahmen eines offiziellen Abendessens. Dazu hatte die Sepp Herberger-Stiftung alle Beteiligten eingeladen. „Wir sind froh, gemeinsam mit unseren Partnern, dem Deutschen Behindertensportverband und dem Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband, ihre Gastgeber sein dürfen. Wir freuen uns auf eine tolle Spielzeit 2010“, betonte Tobias Wrzesinski, stellvertretender Geschäftsführer der ältesten deutschen Fußballstiftung, in seiner Begrüßung. Egon Trepke, Vizepräsident des Niedersächsischen Fußballverbandes, ging in seiner Ansprache speziell auf die integrative Kraft des Fußballs ein: „Ein Ball verbindet – schön, dass Sie in Barsinghausen zu Gast sind“, so Trepke.

DBFL wird jünger und weiblicher

Die DBFL-Saison 2010 wird jünger und weiblicher: rund ein Dutzend Spielerinnen ist mittlerweile in den Teams aktiv. Auch die Anzahl der jugendlichen Spieler steigt. Insgesamt drei Akteure sind erst vierzehn Jahre alt. Gerade für jugendliche Blindenfußballer hat der Fußball eine große Bedeutung für die Alltagsbewältigung, wie Nationaltrainer Ulrich Pfisterer weiß: „Durch den Fußball werden die Spieler auch im restlichen Leben immer mobiler und selbstständiger. Das Hören ist wichtig, aber der Körper hat dazu weitere Rezeptoren. Manche gehen ohne Stock durch die Gegend.“

Integration durch Fußball

Tolle Medienresonanz zum Saisonauftakt
Tolle Medienresonanz zum Saisonauftakt

Getreu ihrem Stiftungsleitziel, die integrative Kraft des Fußballs für die Gesellschaft zu nutzen, will die Herberger-Stiftung dazu beitragen, die Integration blinder und sehbehinderter Menschen in die mehr als 26.000 DFB-Mitgliedsvereine zu unterstützen. „Für viele blinde und sehbehinderte Menschen ist Fußball die größte Leidenschaft. Sie spielen selbst aktiv in immer mehr Mitgliedsvereinen des DFB. Eine neue und interessante Facette der gesellschaftlichen Integration durch Fußball, die wir sehr gerne unterstützen.“ Dafür sind die Blindenfußball-Teams des FC St. Pauli und des Chemnitzer FC prominente Beispiele. Aber auch der VfB Gelsenkirchen zeigt, dass es gelingt, blinde und sehbehinderte Sportler in „normale“ Vereinsstrukturen zu integrieren. Aktuell sind bereits rund zehn Prozent der Mitglieder des Vereins für Bewegungsspiele blinde Sportler.

Nächster Spieltag in Würzburg

Rund vier Wochen haben die DBFL-Teams nun Zeit neue Kräfte zu sammeln. Dann steht der 2. Spieltag der Saison in Würzburg auf dem Programm. Nach dem Motto „nach dem Spiel ist vor dem Spiel“ freuen sich die Mannschaften bereits auf die Begegnungen in Franken: „Natürlich wollen wir auch am 2. Spieltag gewinnen und weiterhin die Tabelle anführen“, blickt Mulgheta Russom vom MTV Stuttgart voraus.

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Die Ergebnisse des 1. Spieltags in der Übersicht:

Samstag, 13. März:
SG Saarbrücken/Braunschweig – VfB Gelsenkirchen 0:4
MTV Stuttgart – BBSV/LFC Berlin 4:1
Viktoria Dortmund – FC St. Pauli 4:0
SSG blista Marburg – BFW Würzburg 10:0
BBSV/LFC Berlin – Chemnitzer FC 6:0

Sonntag, 14. März:
BFW Würzburg – Viktoria Dortmund 0:3
Chemnitzer FC – SG Saarbrücken/Braunschweig 0:3
SSG blista Marburg – MTV Stuttgart 0:4
FC St. Pauli – VfB Gelsenkirchen 0:2